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Walderlebniszentrum Schernfeld und Tiererlebniswelt

Auf Naturentdeckungsreise durch den Wald

Museen im Landkreis (V): Walderlebniszentrum Schernfeld und Tiererlebniswelt

Von Petra Preis

Eichstätt – Im fünften Teil der Museumsserie des Landkreises stehen das Walderlebniszentrum Schernfeld und die Tiererlebniswelt mit Museum am Geländer im Mittelpunkt. Ob man auf Naturentdeckungsreise gehen will, die Vielfalt des Waldes erkunden, Kindern reichhaltige Anregungen durch einen Aufenthalt im Wald bieten oder einfach nur spazieren gehen und die Natur genießen will – im Walderlebniszentrum bleibt keiner dieser Wünsche unerfüllt und man lernt, den Wald mit anderen Augen zu sehen. Auf spielerische Art und Weise werden vor allem bei Kindern vernetztes Denken und die Motorik gefördert. „Wir bieten unterschiedlichste Führungen und Aktivitäten an, die sich informativ und erlebnisreich mit dem Organismus Wald befassen“, erläutert Andreas Müller, zertifizierter Waldpädagoge und Leiter des Walderlebniszentrums. Im Mittelpunkt dabei stehen fest angelegte Rundwege, die direkt in das Innerste des Waldes führen. Eingerichtet wurde das Zentrum 1996 von Müller´s Vorgänger Dieter Kriebel, der es bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand im Frühjahr 2010 betreut und die Aufgabe dann an Andreas Müller übergeben hat.

Waldpädagogik ist Bildungsauftrag des Waldgesetzes für Bayern und dadurch Dienstaufgabe der Forstbehörden. „Wir wollen neugierig machen auf den Wald, unsere Teilnehmer ins Staunen geraten lassen über die vielfältigen Zusammenhänge in der Natur. Sie sollen erkennen, wie wertvoll der natürliche und der bewirtschaftete Wald für alle ist und lernen, der Natur verantwortlich zu begegnen“, fasst Leiter Andreas Müller die Ziele zusammen. Gemeinsam mit einem kleinen Team an Mitarbeitern kümmert er sich nicht nur um die Waldpädagogik, sondern betreut und bewirtschaftet die elf Hektar große Fläche im Kernbereich eines Staatswaldes. „Die Größe des Zentrums ist leider nicht genau messbar, denn es gibt Spazierpfade, die teilweise umgebende Wälder streifen und eigentlich Staatswald sind. Wir haben aber eine gute Vereinbarung zu einem sinnvollen Miteinander getroffen.“ Das Walderlebniszentrum ist dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Ingolstadt angegliedert, nachdem die 2004 angestoßene Forstreform in Bayern für die Forstverwaltung einige Änderungen mit sich brachte: Die bayerischen Forstämter wurden in die Landwirtschaftsämter eingegliedert, die auch die bisherigen hoheitlichen Aufgaben der Forstämter (also Vollzug der den Wald betreffenden Rechtsvorschriften) mit übernommen haben. Die Bewirtschaftung des Staatswaldes ist derzeit Aufgabe der Bayerischen Staatsforsten, einer Anstalt des öffentlichen Rechts.

Wer mit Andreas Müller durch den Wald streift, der lässt sich von dessen Naturbegeisterung sofort anstecken: So verlangt der Abenteuerspielpfad nicht nur einen abwechslungsreichen Weg durch den Wald über Wurzeln, Stock und Stein, sondern fordert an verschiedenen Stationen auch Mut und Geschicklichkeit der Besucher heraus. Auf der Sinneswanderung kann man mit Riechen, Hören, Tasten den Wald einmal aus einer ganz anderen Perspektive erleben. Auf dem Rundweg der Naturentdeckungsreise, die gerade bei Schulklassen beliebt ist, ist Teamgeist gefragt, außerdem wird viel Wissen über den Wald an sich vermittelt. Am Pirschpfad sind zwölf Tiere zu entdecken, die sich am verschlungenen Pfad versteckt haben, ein spannendes Vergnügen auch für Erwachsene! Ganz individuelle Eindrücke erhält man auch bei Aktionen, die das ganze Jahr über angeboten werden, vom Waldfest bis hin zum Feiern von Kindergeburtstagen oder beim Übernachten in urigen Hütten am Waldzeltplatz. Jugendliche können sogar ein Freiwilliges Ökologisches Jahr in Schernfeld ableisten und bei Führungen helfen, Waldtage organisieren, Holz aufnehmen, junge Bäumchen pflanzen und eigene Ideen einbringen. „Unsere Gäste kommen aus allen Bevölkerungsgruppen, vom Kindergarten bis zum Seniorenklub haben wir alles dabei. Und sie kommen nicht nur aus dem Landkreis, sondern auch aus den angrenzenden Gebieten, was uns natürlich sehr freut. Das bedeutet aber auch, dass wir gerade in den Sommermonaten randvoll ausgebucht sind“, gesteht der passionierte Förster Andreas Müller, der jedoch auch von Oktober bis Mai sehr im Einsatz ist, „denn vom Schneeräumen bis hin zur Baumpflege und Instandhaltungsarbeiten machen wir alles selbst.“ Er und seine Mitarbeiter sind bei jeder Führung aufgefordert, sich auf die unterschiedlichen Vorkenntnisse sowie verschiedenen Interessen am Wald einzustellen – „Kindergartenkinder sind in der Regel außerordentlich begeisterungsfähig und sehr tierlieb, bei Schulkindern stehen Sammeln und Ertasten von Gegenständen hoch im Kurs.“ Baumpuzzle, Waldmemory, Baumtelefon, Seilsteg, Waldfernrohr oder Kronenwelt kommen bei allen Besuchern bestens an. „Wenn alle Besucher den Wald sowohl als Lebens- und Erlebnisraum begreifen und positive Erfahrungen in und mit der Natur machen, dann sind wir glücklich. Ein Tag im Walderlebniszentrum bleibt den meisten, ob Jung oder Alt, stets in Erinnerung “, berichtet der 40-jährige von der Besucherresonanz.

Entdecken, staunen und verstehen kann man auch in der Tiererlebniswelt am Geländer bei Eichstätt: Ruhig in einer Waldlichtung gelegen, hat Karl Feierle ein Tiermuseum aufgebaut, das über 1.200 Tierpräparate beherbergt, die eindrucksvoll und charakteristisch lebensnahe Situationen nachstellen. Der Besucher erfährt auf drei Stockwerken viel über die Bewohner der heimischen Wälder, der typischen Trocken- und Magerrasen sowie der Altmühl und ihrer Altwässer. So sind majestätische Greifvögel, verspielte Dachse, farbenprächtige Schmetterlinge und listige Füchse ebenso anzutreffen wie Fledermäuse, Waldkäuze oder gar präparierte Wildschweine. Liebevoll hat Geländer-Besitzer Karl Feierle Anfang der 1970-er Jahre den historischen Jurastadel aus dem 17. Jahrhundert saniert und zum Museum ausgebaut und kennt die Geschichte eines jeden Ausstellungsobjektes wie aus dem Eff eff. „Wer mit dem Museumsvirus infiziert ist, den lässt er nicht mehr los. Aber ich freu mich immer, wenn man gerade jungen Leuten unsere heimische Tierwelt durch unsere Schau etwas näher bringen kann“, umreißt Feierle sein Ziel. Sehenswert ist natürlich auch der Walderlebnispfad am Geländer sowie das Wildschwein- und das Rehgehege: „Hier pulsiert dann das Leben und gerade Familien kommen sehr gern hierher und staunen über unsere prächtigen Tiere“, meint Feierle stolz. Insgesamt 30 Frischlinge tummeln sich derzeit um vier Bachen und um Keiler Franzl – ein tatsächlich einmaliges Schauspiel, nicht nur für Kinder.

Das Walderlebniszentrum Schernfeld liegt in der Harthoferstr. 2, 85132 Schernfeld (Tel. 08422/ 9 89 04, www.walderleben.de). Das Außengelände mit den Rundwegen im Schernfelder Forst kann jederzeit, auch ohne Anmeldung besucht werden und ist kostenfrei. Für Führungen empfiehlt sich frühzeitige Anmeldung! Die Tiererlebniswelt am Geländer (85132 Geländer bei Eichstätt, Tel. 08421/67 61, wwww.waldgasthof-gelaender.de) ist während der Saison täglich von 10-20 Uhr geöffnet, November bis März nur am Wochenende zwischen 10 und 18 Uhr, restliche Termine nach Anfrage. 

Schönwieselhaus
Das Schönwieselhaus im Walderlebniszentrum ist Ausgangspunkt für einen einzigartigen Walderlebnispfad.

Jahresringe
Andreas Müller, Leiter des Walderlebniszentrums und zertifizierter Waldpädagoge, demonstriert, wie man die Jahresringe eines Baumes zählt und damit dessen Alter bestimmt.

Tasten
Die Tast- und Fühlstation im Walderlebniszentrum lockt nicht nur die jüngsten Besucher an.

Drache
Der Walddrache und der Waldbär - gebaut von Besuchern aus Materialien des Waldes.         Alle Fotos: Preis