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Museum "Technik anno dazumal" in der Kratzmühle

Die Historie atmet hier aus jeder Ritze

Serie Museen im Landkreis (VII): „Technik anno dazumal“ in der Kratzmühle bei Kinding

Von Petra Preis

Eichstätt – Aus einst primitiven Werkzeugen sind durch unermüdliche Entwicklungsarbeit Maschinen entstanden, die alle nur einen Zweck haben - dem Menschen die Arbeit zu erleichtern. Ausschnitte aus dieser ereignisreichen Geschichte seit der Industrialisierung zeigt das Technikmuseum Kratzmühle, das heute im Mittelpunkt der Museumsserie des Landkreises steht. Auf rund 1.100 Quadratmetern Ausstellungsfläche in der Kratzmühle bei Kinding bietet eine zeitgeschichtliche Dokumentation der Lebens- und Arbeitswelt aus der Region, vor allem An Hand alltäglicher Gebrauchsgegenstände aus Handwerk, Haushalt, Medizintechnik und Verkehr. So gibt es so unterschiedliche Objekte wie die Knochensäge aus dem Koffer eines Militär-Feldchirurgen, den Falzhobel einer Schäfflerei oder den Transmissionsantrieb einer mechanischen Werkstatt zu entdecken. Insgesamt 28 liebevoll zusammengetragene Ausstellungswelten sind in einer historischen Mühle untergebracht und laden ein zum Anschauen, Anfassen und Begreifen. Der Kulturhistorische Verein Beilngries-Kinding e.V. als Träger des Museums hat sich die Aufgabe gestellt, seit der Museumseröffnung 1995 heimatbezogenes Handwerk dem Einzug der Technisierung gegenüberzustellen und beides als Kulturgut zu bewahren. Vorher stand das Gebäude 20 Jahre leer.

Wer mit Peter Nitsche, dem 2. Vorsitzenden des Kulturhistorischen Vereins, einen Gang durch das eindrucksvolle Museum unternimmt, der kann die viele Fleißarbeit, die die Ehrenamtlichen in dieses Museum investiert haben, gut nachvollziehen: Erst im Mai 2011 ordneten die Verantwortlichen die Themenbereiche neu und gehen damit noch mehr auf die Bedürfnisse der Menschen und die Interessen der Besucher ein. „Wir machen alles selbst, jeder hat seine Talente, die er bei uns im Verein einbringen kann“, weiß Nitsche. Wieder zugänglich ist beispielsweise das Wasserkraftwerk, dessen Anfänge bis ins Jahr 1896 zurückgehen. Besucher können live die Erzeugung der umweltfreundlichen Energie miterleben, der modernen Stromerzeugungseinrichtung werden historische Apparaturen gegenübergestellt. Unzählige historische Geräte vom elektrischen Küchenofen bis zum Staubsauger, vom Toaster bis zur Waschmaschine runden das Thema unterhaltsam ab. „Unser Museum ist aber nicht nur ein Anlaufpunkt für Technikfreaks“, betont Peter Nitsche vom Vereinsvorstand. Die Vielzahl der präsentierten Lebensbereiche und die lebendige Art der Präsentation vermitteln einen eigenen Reiz und bieten Schau-Erlebnisse für die ganze Familie. „Wir wollen keine hochtragende Sammlung, die für den Laien unverständliche Technik widerspiegelt, sondern Einblicke für jedermann schaffen. Und vermitteln, dass Technik einfach schön ist!“, so der Museumsaktive, der im Hauptberuf als Ingenieur tätig ist und ebenso wie seine ehrenamtlichen Mitstreiter ein wahres Allround-Talent mit vielen handwerklichen Fähigkeiten ist. In dieselbe „Kategorie“ fällt auch Johann Fanderl vom Museumsvorstand, dessen Herz besonders für Oldtimer schlägt und der stolzer Besitzer eines „Piccolos“ mit Baujahr 1904 ist – ein historisches Fahrzeug, das im Museum ebenso zu sehen ist wie ein Opel P4, eine BMW Isetta und ein Messerschmitt-Kabinenroller. Die Oldtimer sind alle noch fahrtüchtig und bekommen bei Heimatfesten in der Umgebung regelmäßig „Auslauf“. Apropos Fahrzeuge: Von der Wagnerwerkstatt bis zum Automobil und Motorrad kann die Entwicklung im Fahrzeugbau im Kratzmühlmuseum lückenlos nachvollzogen werden.

Was mitten im Freizeitzentrum Kratzmühle von Beilngrieser Bürger in Tausenden von Arbeitsstunden geschaffen wurde, wird wohl nie ganz fertig werden. Und genau das macht den Reiz des Technikmuseums aus. „Die Ausstellung von alter Technik wird immer lebendig bleiben, dafür sorgen unsere Mitglieder und ein reichhaltiger Fundus, der mit viel Geschick Zug um Zug aufbereitet wird. Die Exponate der Dauerausstellung sind nämlich allesamt noch funktionstüchtig und werden regelmäßig inspiziert“, unterstreichen Nitsche und Fanderl.

Komplett und mit Liebe zum Detail im Museum wieder aufgebaut wurden ganze traditionelle Handwerksbetriebe u.a. eine Beilngrieser Schusterwerkstatt, eine Schneiderei, eine Handschuhmacherei und eine Schäfflerei sowie eine Buchdruckerei. In der landwirtschaftlichen Abteilung werden unter anderem eine Dreschmaschine und ein Lanz-Bulldog gezeigt. Auch Schneider, Handschuhmacher, Messerschmied, Schulküche und Klassenzimmer, Zahnarzt und Bader, Schäffler, Sattler, Wagnerei, Fahrradhersteller und Friseur erzählen durch ihre Werkstätten den Besuchern spannende Geschichten. Ein Blickfang in der Büromaschinenabteilung ist sicherlich ein Computer der ersten Generation aus dem Jahre 1985, den eine Dietfurter Firma für über eine Millionen Mark gekauft hat. Nun hat der C-1-Supercomputer mit den riesigen Ausmaßen im Technikmuseum eine neue Heimat gefunden. Ebenso wie die Musikapparatesammlung mit Shellack-Platten und Grammophon, die demonstrieren, wie der Vorläufer der heutigen CD aussah. 

Das Technikmuseum hätte übrigens keinen passenden Rahmen finden können als die historische Kratzmühle. Sie gehörte einst zum Besitz eines Klosters im benachbarten Dorf Kirchenanhausen, das in der ersten Hälfte des 8. Jahrhunderts von Regensburg aus gegründet worden war. König Arnulf (850-899, Urenkel Kaiser Karl des Großen) schenkte das Kloster samt Mühle der Eichstätter Kirche. Nach einer abwechslungsreichen Geschichte als Mühle wurde der Mühlbetrieb nach 1.200 Jahren im Jahre 1966 eingestellt. Ab 1993 renovierte es der Kulturhistorische Verein, bevor es am 22. April 1995 als Museum „Technik anno dazumal“ der Öffentlichkeit präsentiert werden konnte.

Im regelmäßigen Aktionen werden Wissen und Gebräuche aus längst vergangenen Tagen wieder lebendig und erlebbar – „gerade für Kinder und Familien ist dies wichtig, die Nachfrage danach ist sehr groß“. Der Museumsvorstand plädiert stets für „Leben im Museum und im Hof“. So gibt es Mitglieder und Freunde des Vereins, die sogar weben und Flachs spinnen können und dies gerne demonstrieren. „Wir suchen gerne Mitstreiter. Wenn jemand mit anpacken möchte, so ist er bei uns ebenso herzlich willkommen wie unsere Besucher!“, appellieren Nitsche und Fanderl.

Weitere Infos gibt es unter www.museen-anno-dazumal.de. Das Museum liegt am Mühlweg 1, 85125 Kinding-Pfraundorf, info@museen-anno-dazumal.de Für Einzelpersonen ist das Museum während der Winterzeit geschlossen, Führungen für Schulklassen, Ausflügler oder Gruppen ab acht Personen sind jedoch jederzeit möglich (Anmeldung unter Tel. 08461/8318).

 Technik Museum "Anno Dazumal" Bild 1

Technikmuseum "Anno Dazumal" Bild 2
Technikmuseum "Anno dazumal" Piccolo 

Alle Fotos: Preis