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Die Villa Rustica in Möckenlohe

Römische Geschichte wird hier lebendig
Museen im Landkreis (VI): Die Villa Rustica in Möckenlohe

Von Petra Preis
Im sechsten Teil der Museumsserie des Landkreises steht die Römervilla Möckenlohe, die „Villa Rustica“ im Mittelpunkt. Wer denkt, Geschichte müsse trocken und langweilig sein, der wird in Möckenlohe eines besseren belehrt: Das Museum bietet die in Süddeutschland einmalige Gelegenheit, in provinzialrömische Wohnkultur im wörtlichen Sinne einzutreten. Bei den Exponaten handelt es sich ausschließlich um Gegenstände, die auf dem Areal der Villa Rustica gefunden wurden. Sie zeichnen damit – bei aller Zufälligkeit ihrer Erhaltung – das individuelle Schicksal einer „familia“ sowie die antike Haus- und Landwirtschaft nach, eingebunden in die römische Reichsgeschichte. Am 6. und 7. August 2011 findet wieder das traditionelle Römerfest statt, auf dem bäuerliches Leben vor gut 1.900 Jahren demonstriert und auch ein römisches Erntedankfest gefeiert wird.

Hofbesitzer Michael Donabauer machte sich in den 1980-er Jahren daran, die Grundmauern der antiken Römervilla auf seinem Grundstück auszugraben und die Anlage wieder aufzubauen – Stein für Stein. Für seine „Dickschädligkeit“, wie es bei der Einweihung des Freilichtmuseums 1993 liebevoll hieß, und „aller Widrigkeiten zum Trotz“ sind ihm heute nicht nur die Möckenloher Bürger, die seitdem eine echte Touristenattraktion haben, dankbar. Heute bezeichnet sich der 78-jährige Landwirt gerne scherzhaft als „letzten Römer“. In den 1960-er Jahren bereits stieß er beim Pflügen auf seinem Acker immer wieder auf Steine. Eine alte Sage wusste schon seit jeher, dass hier draußen irgendwo ein Goldenes Kalb vergraben liegen sollte. Ein goldenes Kalb war es zwar nicht, das der junge Bauer fand, aber Mauerreste in den Erdschollen. „Ich hab sofort aufgehört mit dem Ackern und das auch zwanzig Jahre lang so gehalten. Mir war klar, dass es mit diesen seltsamen Grundmauern etwas auf sich hat“, erzählt Michael Donabauer heute. Als dann 1983 Luftbildaufnahmen eindeutig zeigten, dass in Donabauers Acker eine „Villa Rustica“ versteckt lag, reifte in ihm der Plan zum Freilichtmuseum. Als die Archäologen Ende der 1980-er Jahre die Grundmauern freilegten, schaute der Möckenloher zu und baute im Kopf die Villa bereits auf den Fundamenten auf. 1986 wurde ein eigener Verein „Römervilla Möckenlohe“ gegründet, mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege ausgehandelt, dass die Funde vor Ort bleiben können, wenn sie dauerhaft in dem geplanten Museum ausgestellt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Datiert wird das Hauptgebäude vermutlich in die Regierungszeit des Kaisers Hadrian (117-138 n.Chr.)

Die Funde selbst sind keine Goldschätze, zeugen allerdings vom damaligen Leben auf einem römischen Gutshof: Küchengerätschaften von der Schüssel über Messer bis hin zu Krügen und Erntegeräte und Mühlsteine, Hausgegenstände wie Dachziegel, Schlüssel und Nägel, römische Münzen, Bronzespiegel und Fibeln sowie Haarnadeln und Toilettenbesteck, Pferdegeschirr und Jagdwaffen sowie eiserne Hufschuhe und ein quadratischer großer Kellerraum („Cella“) sind heute wieder sichtbar. Die Küche hat der Landwirt Donabauer mit staatlichem Zuschuss und hoher finanzieller Eigenleistung übrigens wieder aufgebaut, sie ist bei Anlässen wie dem Römerfest übrigens benutzbar! Gefundene Getreidekörner und Tierknochen lassen heute noch einen Blick auf die römische Speisekarte zu. „Die villae rusticae waren keine vornehmen Landsitze der feudalen Oberschicht, sondern eher vergleichbar unseren modernen Aussiedlerhöfen“, erklärt Michael Donabauer. Sie stellten landwirtschaftliche Produktionseinheiten dar, die im Familienbetrieb bewirtschaftet wurden. Im Vordergrund standen Ackerbau und Viehwirtschaft, was Michael Donabauer mit der Anlage eines römischen Haustierparkes mit Wollschweinen, Walliser-Ziegen, Schwarznasenschafen und Pferden begreifbar macht. Römische Veteranen erhielten das Land übrigens oftmals nach 25-jähriger Militärdienstzeit als Abfindung zugeteilt. Donabauer ist trotzdem davon überzeugt, dass der Gutsbesitzer wohlhabend war: „Es gab Pferde unseren Funden nach zu schließen, das ist doch außergewöhnlich. Auch waren die Fenster des Wohnhauses mit Scheiben verglast und zusätzlich durch eiserne Fenstergitter gesichert.“ Highlight ist zweifellos die römische Unterfußbodenheizung („hypocaustum“), die den Wohnbereich des Haupthauses versorgte sowie das anschließende kleine Speisezimmer. Die Heizung besteht aus mehreren konstruktiven Bauteilen, die eine Zirkulation der Heißluft unter dem Fußboden und hinter den Wänden ermöglichte. Der Fußboden ruht auf Ziegelsäulchen, die in Möckenlohe wunderbar erhalten sind. „Mit Hilfe solch einer Heizung war es möglich, bei vergleichsweise geringem Aufwand und Holzverbrauch ein angenehmes Raumklima von rund 18 Grad zu erreichen“, erzählt der geschichtsbegeisterte Michael Donabauer. Übrigens hat der 78-jährige seine gesamte Familie einschließlich Ehefrau Centa samt vier Kindern und sieben Enkeln mit dem „Römerfieber“ infiziert. Ehrensache, dass sie beim jährlichen Römerfest mitwirken und dem Senior über die Schulter schauen, wenn er mit Quadriga (einem Gefährt mit vier Rössern) in voller Römermontur heranprescht.

Auch in diesem Jahr wird auf dem Römerfest viel geboten: Selbstverständlich Führungen, aber auch ein Kinder- und Familientag mit kostenlosen Quadrigafahrten für die Festbesucher, Ausstellung römischer Geräte und eines von Michael Donabauer gefertigten Reisewagens, römisch-germanisches Markttreiben, Lagerleben und römischer Haustierpark sowie Lagerfeuer. Am 7. August wird demonstriert, wie man eine eigene Tunika anfertigt („vom Flachs und der Schafswolle zum Webstuhl“), auch ein Alemannenüberfall auf die Strohvilla darf selbstverständlich nicht fehlen. Sehenswert ist auch die Opfergabe für Ceres, der damaligen römischen Fruchtbarkeitsgöttin im Ackerbau.

Geöffnet ist die Villa Rustica, Tauberfelder Weg 1, 85111 Möckenlohe (Tel. 08424/277, www.roemervilla-moeckenlohe.de) zwischen Palmsonntag und Allerheiligen, Dienstag bis Freitag 15 bis 16 Uhr und Samstag und Sonntag 13 bis 17 Uhr sowie für Schulklassen und Gruppen nach Vereinbarung.

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Alle Fotos: Preis