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Das Marktmuseum in Altmannstein

Gelungener Einklang von Natur und Kultur
Serie Museen im Landkreis: Das Marktmuseum in Altmannstein


Von Petra Preis
Eichstätt/Altmannstein – Die Kombination von historischem Gemäuer und bezaubernder Landschaft verleiht Altmannstein seinen einzigartigen Charme. Mitten im Ortskern sticht dem Besucher ein Gebäude in der Mühlgasse ins Auge, das auf Grund seiner Baumasse auch von der Ortsdurchfahrt und dem Marktplatzende her gut sichtbar ist: Das Marktmuseum von Altmannstein, das in diesem Teil der Museumsserie des Landkreises Eichstätt im Mittelpunkt steht. Das Museum befindet sich im denkmalgeschützten „Hoferhaus“ aus dem 17./18. Jahrhundert und befasst sich neben dem Schwerpunkt Naturraum und Geschichte der Region auch mit dem Leben und Werk des Komponisten Simon Mayr. Die Entstehungsgeschichte des Museums geht bis auf das Jahr 1940 zurück: Mitten im Zweiten Weltkrieg stieß des Flugplatzarchitekt Richard Vollmann beim Bau des Manchinger Flugplatzes auf archäologische Funde und schmiedete den Plan, ein Museum zu errichten. Der gebürtige Altmannsteiner trug für sein Vorhaben in den Folgejahren historisches Material aus der Marktgemeinde und den umgebenden Ortschaften zusammen. Diese Ausstellungsstücke waren bis 1960 im ehem. Benefiziatenhaus eingelagert. 1972 stellte der Gemeinderat das zweite Stockwerk des Rathauses für ein Museum bereit, im Jahr 2000 wurden die Rathausräume für das Gemeindearchiv benötigt, so dass das Marktmuseum im dreistöckigen „Hoferhaus“ seinen endgültigen Platz fand. Die Einweihung des Museums erfolgte dann im Oktober 2006.

„Das Hoferhaus stand leer und wurde von der Gemeinde ersteigert. Zu früheren Zeiten war es ein prächtiges Gasthaus, wovon die Überreste einer historischen hölzernen Kegelbahn im Museumsgarten zeugen. Wahrscheinlich sind wir das einzige Museum mit einer Kegelbahn im Garten, durch den auch noch die Schambach fließt“, erzählt Hannelore Eichenseher, 3. Bürgermeisterin von Altmannstein. Bei der Sanierung des Gebäudes entstand im Erdgeschoss eine Wohnung, ein Raum für die Verwaltung und ein Veranstaltungsraum. Das Museum selbst residiert in vier einzelnen, liebevoll und professionell gestalteten Räumlichkeiten. Engagiert mitgewirkt an der Konzeption des Museums hat Dedo von Wallenberg, der als Kulturgeograph u.a. sowohl die Ausstellungsstücke mit ausgewählt, erklärende Texte geschrieben als auch stets den Dialog mit der Landesstelle für nichtstaatliche Museen gepflegt hat. Und das Ergebnis hat sich gelohnt: „Wir sind heute alle sehr stolz auf unser gelungenes Museum“, sagt Klaus Heining, früherer Rektor der Ignaz-Günther-Schule und ehrenamtlicher Führer im Museum.

Der Besucher findet sich gut zurecht, ist der Rundgang im Hauptraum doch chronologisch angelegt und beginnt mit der Geologie von Altmannstein und Umgebung – zu bestaunen sind beispielsweise fossile Funde aus der Jurazeit („Juravenator“, gefunden 1999 bei Schamhaupten), weiter geht es mit Objekten aus der Hallstattzeit bis zum frühen Mittelalter, welche die Vor- und Frühgeschichte lebendig werden lassen. Sehenswert auf dieser Etage sind ein Kurz- und ein Langschwert sowie eine prächtige Gürtelschnalle, mittelalterliche Keramikfunde aus dem Pfleggerichtshaus, viele Münzfunde, eine Vitrine mit den Steinzeugflaschen der Sandersdorfer Steinzeugproduktion (1784-1901). Seinen Platz im Marktmuseum gefunden hat auch das Hopfenanbaugebiet Jura: Schon 1896 wurde Altmannstein das Hopfensiegelrecht verliehen. Schablonen, Hopfenhaue und Hopfensiegel zeugen in der Ausstellung davon. Neben der Zusammenfassung alter Handwerksberufe in Altmannstein wird als Besonderheit der „Sumpfkalk aus dem Schambachtal“ erläutert. Dieser ist bei Restauratoren beliebt und kam beispielsweise an der Frauenkirche Dresden, der Museumsinsel Berlin oder im Wallfahrtsort Lourdes zum Einsatz. Produziert wird er seit 1948 im Kalk- und Ziegelwerk Altmannstein.

Der zweite Raum ist dem Leben und Werk des 1763 in Mendorf geborenen Simon Mayr gewidmet. Mayr zählt zu den bedeutendsten Musikern im 19. Jahrhundert. Er machte sich nicht nur als Komponist und Pianist einen Namen, sondern war ein viel beschäftigter Kapellmeister und erfahrener Pädagoge. Der Künstler gilt sogar als der „Vater der italienischen Oper“ und lebte bis zu seinem Tode im Jahre 1845 in Bergamo. Simon Mayrs Schaffen umfasst im Überblick etwas 60 Opern, rund 600 Kirchenmusikwerke und viel Kammermusik. Sein Lieblingsschüler war übrigens Gaetano Donizetti. CD- und DVD-Aufnahmen sowie historische Musikinstrumente dokumentieren im Museum sein umfangreiches Werk.

In der Vitrine im Flur geht es in eine ganz andere Welt: Hier finden sich Porzellanfiguren, Originalzeichnungen und Kinderbücher von Lore Hummel. Die bekannte Designerin und Kinderbuchautorin lebte von 1944 bis 1997 in Altmannstein. Neben dem Entwurf von Porzellanfiguren, den sog. Lore-Figuren, gestaltete und schrieb sie über 90 Kinderbücher. Ihr Sohn ist der in Altmannstein lebende Komponist Franz Hummel, dessen Musical „Ludwig II. – Sehnsucht nach dem Paradies“ großen Bekanntheitsgrad erreichte. Zum Thema Volksfrömmigkeit im dritten Raum findet man neben dem Altar von Joh. Georg Günther (1704 – 1783) weitere sehenswerte Exponate. Der Vater des Rokokobildhauers Ignaz Günther (1725 – 1775) war nicht nur als Schreiner, sondern überwiegend als Bildhauer und Fassmaler tätig. Dem berühmten Sohn Altmannsteins, Ignaz Günther, wurde schon 1997 ein eigenes Museum gewidmet, dass man drei Häuser weiter besichtigen kann.

Der vierte Raum des Museums ist für Sonderausstellungen und Vorträge vorgesehen. „Die im Depot verbliebenen Bestände sollen im Laufe der Zeit durch Sonderausstellungen zugänglich gemacht werden“, so Hannelore Eichenseher. Eine zusätzliche Attraktion stellt eine moderne Medienstation dar, in der per Touchscreen Filme zu unterschiedlichen Themen abrufbar sind. Neben der Schambach im Museumsgarten ließ die Gemeinde ein Wassertretbecken mit einem Rastplatz für Radfahrer errichten, denn der Radwanderweg Schambachtal – Altmühltal ist nur 20 Meter entfernt. In der noch gut erhaltenen Scheune werden historische landwirtschaftliche und handwerkliche Geräte untergebracht, der schöne Garten selbst bietet die Möglichkeit, Museumsfeste zu veranstalten.

Weitere Infos gibt es unter www.altmannstein.de. Die Museumsadresse lautet Mühlgasse 3, 93336 Altmannstein, poststelle@altmannstein.de Geöffnet ist es von Mai bis Oktober (Sonntag 10-12 Uhr und nach Vereinbarung), Führungen für Schulklassen oder Gruppen sind nach Vereinbarung jedoch möglich.

Museum Altmannstein1

Museum Altmannnstein2

Alle Fotos: Preis