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Das Informations- und Dokumentationszentrum in Mörnsheim

Reizvolle Landschaft und beeindruckende Geschichte

Serie Museen im Landkreis (Teil 11) – Das Informations- und Dokumentationszentrum in Mörnsheim

Von Petra Preis

Eichstätt/Mörnsheim – Es ist eindrucksvoll und sehr stattlich, liegt aber doch ein bisserl versteckt, das ehemalige „Kastengebäude“ (Kastenhof) in Mörnsheim, besser bekannt als das Rathaus der Marktgemeinde. Ehemals Amtssitz der Fürstbischöflichen Pfleger, wurde in dem 1612 errichteten Gebäude nach einer grundlegenden Sanierung 1992 nicht nur das Fremdenverkehrsbüro, sondern auch ein bemerkenswerter Informations- und Dokumentationsraum mit einer Ausstellung über die Orts- und Landschaftsgeschichte untergebracht, das im neuen Teil der Museumsserie des Landkreises im Mittelpunkt steht. Die Ausstellung ist nicht nur inhaltlich für den Besucher beeindruckend, sondern auch das Gebäude Kastenhof selbst – Staffelgiebeln, Kreuzgewölbe im Erdgeschoss, Steinkartusche mit dem Wappen des Fürstbischofs Johann Konrad von Gemmingen (1595 bis 1612) über dem Eingang sowie großzügig geschnittene Räumlichkeiten. Im zweiten Stock befinden sich die Amtsräume von 1. Bürgermeister Richard Mittl, der aus Hausherr (und waschechter Mörnsheimer) selbst viel über seine Heimat und das Museum im Rathaus zu berichten weiß. Konzipiert wurde dies in Zusammenarbeit mit Albert J. Günther aus Eichstätt.

„Das Gailachtal ist eines der vielen romantischen Nebentäler der Altmühl. Gesäumt von Höhen mit ausgedehnten Steinbrüchen und überragt von der Burgruine ist unser Markt mit seinem herrlichen Tal und seinen Steinbrüchen ein Ort besonderer Prägung. Von der über tausendjährigen Geschichte zeugen noch der Rest der Befestigungsmauer um den Markt und die Burgruine auf dem Schlossberg“, erzählt Richard Mittl. Mit berechtigtem Stolz schildert er nicht nur die natürliche Schönheit der Landschaft mit ihren Wachholderheiden und Trockenrasen sowie Jurafelspartien, sondern weiß viel Geschichtliches über die Bauwerke in seiner Gemeinde. Beispielsweise über die Pfarrkirche St. Anna, die bereits 1605 genannt wurde. Oder über den Schloßberg, wo einst die Mörnsheimer Burg stand, und von dem aus man einen schönen Blick auf den Markt genießen kann. Sehr reizvoll seien auch die Motive im Mörnsheimer Malerwinkel. Und die Dorfkirche im Ortsteil Mühlheim, die den Heiligen Cyriakus, Largus und Smaragdus geweiht ist. Sie ist schon im Testament des Hl. Sola (+ 794) aufgeführt. Eindrucksvoll über Altendorf liegt übrigens auch die Filialkirche „Maria End“,  eine alte Marienwallfahrtsstätte.

Streifzug durch Heimatkunde und Archäologie

Eine Fülle von Informationen über Archäologie, Heimatkunde und Brauchtum in der Mörnsheimer Region findet der Besucher dann auch in der Dauerausstellung im Rathaus wieder: Viel Platz wird hier natürlich den Solnhofer Plattenkalken mit den weltbekannten Fossilien eingeräumt, die nordwestlich, in der unmittelbaren Nähe von Mörnsheim mit großen Vorkommen liegen. Bestimmte Lagen dieses Kalkschiefers sind wegen ihrer Härte, Dicke und Feinkörnigkeit für den Lithographiedruck bestens geeignet, so dass Künstler weltweit für hochwertige Drucke vor allem Lithographiesteine aus den Plattenkalken des Jura bevorzugen. In einer Vitrine wird ein kleiner Überblick über das Brechen und Zurichten der Litho-Steine gezeigt, anhand von Steinen, Werkzeugen und historischen Fotos ist dieser ehemals wichtige Erwerbszeig dokumentiert. Die dünneren Lagen der Plattenkalke eignen sich hervorragend zur Eindeckung von Gebäuden. Die Platten wurden entweder für ein Legschierplattendach oder ein Zwicktaschendach genutzt. „Diese Arten von Dacheindeckungen sind typisch für den Eichstätter Raum. Mit dieser Art konnten auch steilere Dächer gedeckt werden. Die Steinbrüche waren lange der wichtigste Erwerbszweig für die Menschen in Mörnsheim und Umgebung“, bekräftigt auch der Rathauschef. Interessant ist der ausgestellte Steinbrecherkrug, der „Blaue“ und der „Braune“, den man plötzlich mit anderen Augen betrachtet, wenn man von der Legende hört, dass eine Blindschleiche im Bier dasselbe für die Arbeiter kühl gehalten habe. „Vermutlich ist da aber gar nichts Wahres dran“, schmunzelt Mittl. 

Der eiszeitlichen Tierwelt ist eine eigene Vitrine gewidmet. So kann der Besucher nachvollziehen, welche Vielfalt es an Tieren gab, die vor vielen tausend Jahren die Gegend durchzogen bzw. hier lebten. Interessante Funde aus Höhlen, beispielsweise aus dem „Grafsloch“ nahe Mörnsheim, geben Auskunft über Mammut, Höhlenbär, Höhlenhyäne, Eisfuchs, Biber, Nager und Vögel. Das Grafsloch lieferte übrigens auch umfangreiche ur- und frühgeschichtliche Bodenfunde verschiedener Epochen der Steinzeit, so dokumentieren Funde aus der Bronze-, Urnenfelder- und Hallstattzeit die weitere Vergangenheit dieser Gegend. Herausragend sind die frühbronzezeitlichen Fibeln aus Ensfeld und Haunsfeld. Wegen des reichen Eisenerzvorkommens auf den Jurahöhen wurde schon seit der Keltenzeit im Altmühltal Eisen verhüttet. Fundobjekte wie Bohnerze und Eisenschlacken belegen auch dies für den Mörnsheimer Bereich. Diverse Pläne von bronzezeitlichen, keltischen und mittelalterlichen Befestigungsanlagen veranschaulichen die archäologische Bedeutung der Höhen dieser Gegend. Mörnsheim lag innerhalb des römischen Limes in der Provinz Rätien, etliche Funde belegen diese Zeit.

Ein besonderer „Hingucker“ des Informationszentrums ist übrigens das Modell der Burg Mörnsheim. Liebevoll wurde der Bauzustand des 16. Jahrhunderts in Miniaturformat samt Zinnfiguren von Clemens Nissl nachempfunden. Die Ortsgeschichte Mörnsheims ist anhand von historischen Gegenständen und alten Ansichten veranschaulicht, hier sticht besonders eine Kopie der Urkunde von 1354, in der König Karl IV. Mörnsheim Marktrecht und Halsgericht zuspricht, ins Auge. Das weit über Landkreisgrenzen hinaus bekannte Heimatspiel „Harte Fron“ darf auch nicht fehlen, hier gibt es Unterlagen der Uraufführung von 1951 zu bestaunen, ebenso viele Bilder und Plakate. Wie der „Lebensraum Steinbruch“ für spezielle Pflanzen und Tiere aussieht, das wird anhand einer sehr lebendig gestalteten Vitrine verdeutlich, in der ein prächtiger Uhu ebenso zu finden ist wie Zauneidechsen, Heideschnecken, Goldammer, Blindschleichen, Pilze und viele Vögel. Ausgebeutete Steinbrüche und ihre Abraumhalden entwickeln sich zu wertvollem Lebensraum aus Menschenhand, wenn man sie nach dem Abbau sich selbst überlässt. Diverse Fossilien aus der näheren Umgebung veranschaulichen den Standort Mörnsheim im Steinbruchrevier.

Der Markt Mörnsheim mit seinen Ortsteilen Mühlheim, Altendorf, Haunsfeld und Ensfeld mit seinem herrlichen Tal und seinen Steinbrüchen ist definitiv ein Ort besonderer Prägung, der auch dem Urlauber mehr bieten kann, als man auf den ersten Blick vermuten möchte. Nach dem Ausbau des Tourismussektors in den vergangenen Jahrzehnten erfreut sich der Ort heute vieler leistungsfähiger Gaststätten und Vermieter mit fast 180 Betten Kapazität und guten Übernachtungszahlen.

Weitere Infos gibt es direkt beim Markt Mörnsheim, Rathaus Kastnerplatz 1, 91804 Mörnsheim, Tel. 09145/8315-0, www.moernsheim.de Öffnungszeiten der Ausstellung sind von Mai bis Oktober montags bis freitags von 9.30 bis 11.30 Uhr sowie nach Vereinbarung/Voranmeldung. Führungen sind ebenfalls nach Vereinbarung möglich.

Alle Fotos: Petra Preis
Moernsheim Museum Bild 1
Moernsheim Museum Bild 2
Moernsheim Museum Bild 3