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Das Römer- und Bajuwarenmuseum in Kipfenberg

„Salvete!“ in einem lebendigem Museum, das viel zu bieten hat
Serie Museen im Landkreis (Teil 10) – Das Römer- und Bajuwarenmuseum in Kipfenberg lässt Römerzeit mit allen Sinnen erleben


Von Petra Preis
Eichstätt/Kipfenberg – Eigentlich könnte man es als bunte gekonnte Mischung zwischen Kunst, Archäologie und Heimatkunde sowie Informationszentrum bezeichnen: das Römer- und Bajuwarenmuseum in Kipfenberg mit dem Infopoint Limes, der ins Museum integriert ist. Doch das sehenswerte Museum ist noch viel mehr, bietet es doch nicht nur ein historisches Ambiente in der Kipfenberger Burg, sondern auch aufsehenerregende Funde wie den Krieger von Kemathen oder eine wissenschaftlich fundierte Dokumentation des Lebens am römischen Limes. Das Museum liegt direkt am Limes, der 2005 zum UNESCO-Welterbe ernannt wurde. Daher bildet die Geschichte der Römer in der Provinz Raetien einen natürlichen Schwerpunkt der Ausstellung. „Die gezeigten Exponate und erläuterten Geschichtsdenkmäler stammen alle aus der unmittelbaren Umgebung. So haben Besucher die einzigartige Möglichkeit, nach ihrem Besuch im Museum diese Orte selbst zu erwandern und zu erleben“, sagt Museumsleiterin Juliane Schwartz. Dank der prägnanten Erläuterungen sind weder Fachvokabulatur noch Vorkenntnisse erforderlich, um sich in der sinnvoll gegliederten Präsentation der jeweiligen Stockwerke zurecht zu finden.

Dass Geschichte keineswegs langweilig, sondern durchaus kurzweilig und packend sein kann, das zeigt das Römermuseum durch die gelungene Verbindung von Mitmach-Stationen, Objekten und Bildern, Texten sowie multimedialen Installationen und bringt damit großen wie kleinen Besuchern historische und archäologische Zusammenhänge auf anschauliche Weise näher. Höhepunkt der Schau ist der im Volksmund als „Erster echter Bajuware“ bezeichnete Fund des Kriegers von Kemathen, der 1990 entdeckt wird und dessen originalgetreue Rekonstruktion sowie Original-Fundstücke der Grabanlage aus dem 5. Jhd. n. Chr. in Kipfenberg zu besichtigen sind. Im Untergeschoss des Museums ist der „Limes Infopoint“ des Landkreises Eichstätt untergebracht, der seit Juli 2006 den Besucher zu den römischen Sehenswürdigkeiten im Naturpark Altmühltal leitet. Im Limeswachturm ist Geschichte zum Greifen nah – der originalgetreu inszenierte Wachraum eines Limesturm ist das Herzstück des Infopoints. Hier können alle Ausstellungsgegenstände angefasst und teilweise sogar anzogen werden, wie der römische Helm, das Kettenhemd oder die Waffen.

Auch Details zur Baugeschichte des Limes und seiner Funktionsweise, ein Überblick über die Zeit der römischen Besiedelung im Naturpark Altmühltal, Wegweiser zu sichtbaren Spuren und archäologischen Museen oder museumspädagogische Programme sind in Fülle vorhanden. „Wir wollen ein lebendiges Museum sein“, unterstreicht Juliane Schwartz, die gemeinsam mit ihrem 14-köpfigen Team großen Wert auf ihre ausgefeilten Angebote legt, die allesamt einen „. So kann man geführte Wanderungen entlang des Limes buchen, einen römischen Kindergeburtstag organisieren lassen oder lukullische Freuden beim römischen Gastmahl genießen – Hauptsache, es wird Lust an Geschichte vermittelt. Ob Schüler bei der „Spurensuche“ die Arbeit von Archäologen kennen lernen oder in die Welt des Frühmittelalters mit den Bajuwaren eintauchen möchten, in Kipfenberg ist alles möglich! Ein Highlight bei Gruppen ist das „Römerlager auf Zeit“, das als historisches Römerlager zum Mitmachen buchbar ist. „Die verschiedenen Angebote verstehen sich als flexible Vorschläge, die abhängig von Anlass, Altersstufe, Gruppengröße und Zeit variiert werden können“, so die engagierte Museumsleiterin. Die 42-jährige hat die Liebe zur Burg Kipfenberg und zur Geschichte von Kindesbeinen an verinnerlicht, hat sie doch ihre Kindheit auf der Burg selbst verbracht: „Ich bin auf der Burg aufgewachsen, meine Eltern haben hier gearbeitet. Das Museum, das 1999 eröffnet wurde, kenne ich noch als Stall und Scheune. Die ältesten Teile der historischen Vorburg lassen sich übrigens bis 1140 zurückdatieren, drei Jahre lang wurde intensivst saniert. Die Burgherren, die Familie Schuck, haben hier viel geleistet“, erzählt die Museumschefin, die sich jährlich über rund 15.000 Besucher freuen kann und mit großem Einsatz einen Museumsladen und Café betreibt, um Kosten zu decken. Museumsfeste wie das am 16. und 17. Juni sowie Vernissagen, Kleinkunst-Veranstaltungen mit Konzerten sowie Sonderausstellungen bereichern die Palette ihres Wirkens.

Im Erdgeschoss des Museumsbaus werden die Themen „Römer am Limes“, „Völkerwanderung“ und „Bajuwaren“ lebendig: Dem Alltagsleben an der Grenze (mit Ausrüstung der Soldaten, Alarmsystem bei Angriffen und Wachdiensten) sind Ausstellungstafeln und – objekte gewidmet. Informiert wird weiterhin über das römische Imperium, die Provinz Raetien, das Kastell Böhming und römische Gräberfelder. Im Obergeschoss ist das Heimatmuseum von Kipfenberg (mit dem Bestand von Anton Gäck) untergebracht, welches ebenso wie das volkskundliche Archiv mit einer Fülle von interessanten Ausstellungsstücken beherbergt. In der Galerie bietet sich ein Streifzug durch Ansichten Kipfenbergs und der Umgebung aus drei Jahrhunderten, wie sie verschiedene Künstler wie Spitzweg oder C.O. Müller gesehen haben.

Mit der derzeitigen Sonderausstellung „Hentschels zauberhafte Kinderwelten“, die seit kurzem bis einschließlich 31. März 2013 zu sehen ist, stellt das Museum erstmals Exponate aus der Burgbesitzerfamilie Schuck aus, die große Liebhaber des Altmühltals sind. Die Schau zeigt die Kinderfiguren des Künstlers Konrad Hentschel (1872-1907) und anderer Künstler aus europäischen Porzellanmanufakturen von 1750 bis 2000. Kernstück des insgesamt 185 Objekte umfassenden Bestands sind zwölf einzelne Figuren sowie Gruppen mit einfühlsamen Porträts spielender Kinder, die von Hentschel für die Manufaktur Meissen geschaffen wurden. „Die Sammlung Schuck verfügt über den kompletten Satz dieser sogenannten Hentschelkinder in ihrer Erstausformung – und das ist weltweit wohl einzigartig“, freut sich auch Museumsleiterin Juliane Schwartz.

Weitere Infos gibt es direkt beim Römer- und Bajuwarenmuseum Kipfenberg, www.bajuwaren-kipfenberg.de, Burg 1, 85110 Kipfenberg, Tel. 08465/905707, bajuwarenmuseum@altmuehlnet.de. Öffnungszeiten: Juni bis August täglich von 10-18 Uhr (auch Feiertage), April bis Mai sowie September und Oktober täglich von 10-16 Uhr und darüber hinaus nach Vereinbarung. Führungen sind ebenfalls nach Vereinbarung möglich.

Römersammlung Museum Kipfenberg
Der Krieger von Kemathen samt seiner Grablage, Original gefunden im Jahre 1990.

Römermuseum Kipfenberg Bild 1
Ein schöner Ausschnitt einer Hentschelkinder-Gruppe, derzeit im Rahmen der Sonderausstellung zu besichtigen. Die Darstellungen sind wie aus dem Leben gegriffen und zeigen oftmals Stimmungsbilder oder Alltagssituationen von Kindern.

Alle Fotos: Preis