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Das Marktmuseum in Kösching

An vielen Stellen zum Mitmachen aufgefordert
Museen im Landkreis (Teil III): Das Marktmuseum in Kösching

Von Petra Preis
Im dritten Teil der Museumsserie des Landkreises Eichstätt steht das liebevoll gestaltete Museum des Marktes Kösching, das gleich neben der Pfarrkirche im ehemaligen Kloster der Armen Schulschwestern in der Klosterstraße untergebracht ist, im Mittelpunkt. Das Museum will über die alte, ungebrochene Siedlungsgeschichte der Gegend berichten, auf die Bedeutung des Römischen Kastells Germanicum hinweisen, ein Bild des Marktes und seiner vielfältigen Aufgaben vermitteln und nicht zuletzt vom Leben seiner Menschen in Handwerk, Landwirtschaft und Glaube erzählen. Engagiert mitgewirkt an der Konzeption des im September 2001 eröffneten Museums hat der Wahl-Neuburger Dedo von Wallenberg, der als Kulturgeograph sowohl die Ausstellungsstücke mit ausgewählt, erklärende Texte geschrieben, Zwischenstandsbericht verfasst als auch stets den Dialog mit der Landesstelle für nichtstaatliche Museen gepflegt hat, um möglichst viele staatliche Zuschüsse für das Projekt zu sichern. Und das Ergebnis hat sich gelohnt: „Wir sind heute alle sehr stolz auf unser gelungenes Museum“, sagt Otto Frühmorgen, Vorsitzender und Gründungsmitglied des Geschichtsverein Kösching Kasing Bettbrunn e.V., der als Heimatpfleger sehr mit der Geschichte von Kösching und dem Museum verbunden ist. Schon bei der Vereinsgründung 1990 sei es ein Ziel des Geschichtsvereins gewesen, ein Köschinger Museum zu errichten und ein Heimatbuch herauszubringen, das ebenso wie das Museum die reiche Geschichte des Ortes und seiner Bewohner lebendig werden lässt. In Zusammenarbeit mit der Marktgemeinde und namhafen Autoren haben die Heimatpfleger Otto Frühmorgen und Dr. Friedrich Lenhardt dieses Projekt im vergangenen Sommer verwirklicht.

Die Geschichte des Marktmuseums Kösching reicht bis an den Anfang des 20. Jahrhunderts zurück: Der Maler und Chronist Ferdinand Ott übergab 1911 seine eigene Sammlung an den Historischen Verein Ingolstadt. In Kösching verblieb ein Abguss der Kastellinschrift aus dem Jahre 80 nach Christus, die Kösching als das erste Römerkastell nördlich der Donau belegt. Der Köschinger Maurer Josef Maier, ein unermüdlicher Sammler und Restaurator, vermachte seine Privatsammlung im Jahr 1955 dem Markt Kösching und legte damit den Grundstock für das jetzige Museum. Seit der 1900-Jahr-Feier der Gemeinde im Jahr 1980 existierte der Wunsch, die bedeutsamen archäologischen und volkskundlichen Bestände aus dem Gemeindebereich in einem Museum auszustellen. Der Markt hatte Ende der 90-er Jahre hierfür noch die umfangreiche Sammlung von Fritz Rose erworben. In enger Zusammenarbeit mit dem Vorstand des Geschichtsvereins, des Landesamtes für Denkmalpflege und der Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen konnte das Marktmuseum Kösching errichtet werden, seine Eröffnung fand am 28. September 2001 statt. Engagiert betreut wird es seitdem von Otto Frühmorgen und dem Zahnarzt und Heimatpfleger Dr. Friedrich Lenhardt, die unermüdlich Sonderschauen konzipieren, erhaltene Fundstücke ins Museum integrieren und den gesamten Komplex pflegen.

Von der Konzeption her ist das Museum in mehrere Themenbereiche gegliedert: Im Erdgeschoss beginnt die Zeitreise bei den frühen neolithischen Kulturen, archäologische Funde und Rekonstruktionen sind hier untergebracht. Die Zeitreise hat einen ersten Höhepunkt bei der bis jetzt singulären Vierfachbestattung aus der Epoche der Schnurkeramik. Depot- und Grabfunde der Bronzezeit, Reste eines herrschaftlichen Grabes und die Modellrekonstruktion eines umfriedeten Tempelbaus aus der Hallstattzeit belegen die herausgehobene Bedeutung des Gebietes um Kösching. „Die Funde des römischen Kastells, seiner Zivilsiedlung und des Gräberfeldes, die sich um den hervorragend erhaltenen Köschinger Meilenstein aus dem Jahre 201 nach Christus gruppieren, sind ein besonderes Highlight des ersten Museumsteils“, erzählt Otto Frühmorgen bei einer Museumsführung der Pressestelle des Landkreises. Der Besucher kann eine Zeitreise vom Neandertaler bis zu den Bajuwaren unternehmen: Ein Mammutzahn verweist auf die eiszeitlichen Jäger, verschiedene Waffen, Werkzeuge und Keramik erzählen von der Jungsteinzeit. Ein seltenes Exponat ist auch ein Kupfermesser, das als Grabbeigabe fungierte und das heute als das älteste bekannte, in einer Rippe geschäftete Metallmesser zählt. Die Bronzezeit ist mit einem Frauengrab aus Desching vertreten, die frühe Keltenzeit mit Funden aus einem Wagengrab am Mühlberg. Darüber hinaus gibt es Münzen und Glasringe zu bestaunen. Aus dem Kastell Germanicum und dem römischen Lagerdorf stammen Waffen, Gläser, Gefäße und Amphoren – „das Römerkastell Kösching ist übrigens das älteste Truppenlager am Welterbe Limes nördlich der Donau“, erläutert Heimatpfleger Otto Frühmorgen. In der römischen Besetzungsgeschichte Bayerns stehe es an zentraler Stelle, entsprechend interessant sei sein Fundgut.

Im Obergeschoss des Museums wird der Blick auf die Geschichte des heutigen Marktes gerichtet: Von den frühesten Siedlungen am Eixelberg mit dem Ringknaufschwert als herausragendem Fund, über die ersten urkundlichen Erwähnungen Köschings, seine Geschichte im Mittelalter (wiederum begleitet durch das sog. „Salierschwert“) bis hin zur Entstehung des Marktes, dessen Zeichen und Aufgaben. „Das mächtige Schwert wurde in einem Köschinger Bach gefunden, deshalb ist es auch so gut erhalten“, weiß Heimatpfleger Dr. Lenhardt. Ferner sind für Kösching wichtige Berufssparten wie Brauer, Bäcker, Schneider und Schmied mit originalen Werkzeugen und Gerätschaften ausgestellt. In die Zeit der 1920-er Jahre wird man beim Anblick alter Grammophone versetzt. Aber wahrhaft einmalig ist die nette Mausefallensammlung – „der Turm des Todes für Mäuse ist immer noch voll funktionsfähig“, demonstriert Otto Frühmorgen gleich vor Ort (wohlweislich ohne Maus).

Die Bedeutung der bäuerlichen Kultur für den Ort dokumentieren nicht nur alte Fotos, sondern auch ein Stockpflug und ein Mühlenrad. Die Geschichte der Ortsteile Kasing und Bettbrunn kann der Besucher im Flur erfahren: Bettbrunn ist die älteste Hostienwallfahrt Bayerns, denn seit 875 Jahren suchen hier Wallfahrer Trost in Bedrängnis. Der Volksfrömmigkeit ist ein eigener kleiner Raum gewidmet mit ganz unterschiedlichen Exponaten katholischer wie evangelischer Geschichte. Beim Anblick der Uhrensammlung aus verschiedenen Jahrhunderten, deren Mittelpunkt eine voll funktionsfähige Kirchenuhr ist, können sich die Besucher Gedanken über die Vergänglichkeit machen. Das Köschinger Museum ist ganz besonders für Familien und Schulklassen interessant, wird der Besucher doch an vielen Stellen zum Mitmachen angefordert. So kann man Steinbeile bohren, Mausefallen betätigen, sein Gewicht auf einer alten Dezimalwaage bestimmen lassen, die Kirchenuhr zum Schlagen bringen und auf einer Karfreitagsratsche einen fürchterlichen Lärm machen. Die Köschinger Heimatpfleger Frühmorgen und Lenhardt können ebenso wie die Köschinger Gemeinde und Bürger zu Recht stolz auf das Kleinod sein, das im Garten vor dem Museumsgebäude mit dem in einen „Römergarten“ umgewidmeten Klostergarten nochmals an die alten Wurzeln und die Verantwortung für das „Weltkulturerbe Limes“ erinnert.

Weitere Informationen gibt es bei: Museum Markt Kösching, Klosterstraße 3, 85092 Kösching (Tel. 08456/96 30 09) oder www.geschichtverein-koesching.de. Öffnungszeiten: Mittwoch 9-12 Uhr, Donnerstag 14-17 Uhr, Sonntag 14-17 Uhr und nach Vereinbarung.

Museum Kösching Foto: Preis
Museum Kösching 2
Die beiden Heimatpfleger Otto Frühmorgen (re.) und Dr. Friedrich Lenhardt
Foto: Preis