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Das Jura-Bauernhofmuseum in Hofstetten

Die schlichte Schönheit eines Jurahauses
Museen im Landkreis (IV): Das Jura-Bauernhofmuseum in Hofstetten

Von Petra Preis

Eichstätt – Im vierten Teil der Museumsserie des Landkreises steht das Jura-Bauernhofmuseum in Hofstetten im Mittelpunkt, in der Bevölkerung auch als „Kipferlerhof“ bekannt und seit Juli 1986 als Bauernhofmuseum allgemein zugänglich. Früher einmal gerne als „Schandfleck des Dorfes“ bezeichnet, hat sich der letzte in sich geschlossene Jura-Bauernhof im Landkreis Eichstätt seit der Übernahme durch den Landkreis Eichstätt zu einem regelrechten Schmuckstück der Region entwickelt. Ob Schulklassen, junge Familien oder Ausflügler aus Nah und Fern – die Anziehungskraft des stattlichen Hofes, der die landwirtschaftliche Neubau- und Modernisierungswelle der Nachkriegsjahrzehnte unbeschadet überstanden hatte, ist erfreulich groß.

Zu Recht stolz darauf, dass der Hof heute so gut da steht, ist Kreisheimatpfleger Wunibald Iser: Er war es schließlich, der erkannt hatte, welch kulturgeschichtlichen Wert der Kipferlerhof hat. „Die schlichte Schönheit und Zweckmäßigkeit des Altmühl-Jurahauses lässt sich hier in Hofstetten den Besuchern wunderbar vor Augen führen. Es war ein glücklicher Umstand, dass das Anwesen 1984 vom Landkreis Eichstätt erworben und dem Verein Jura-Bauernhof-Museum übertragen werden konnte“, meint Wunibald Iser im Rückblick. Für das Vorhaben, das auf Initiative von Iser zurück ging, engagierten sich prominente Volkskundler und Heimatvereine, auch der bekannte Bezirksheimatpfleger von Oberbayern Paul Ernst Rattelmüller, besuchte den Hof und war begeistert, dass man mitten in einem lebendigen Dorf ländlich-bäuerliche Alltagskultur auf der Eichstätter Alb im Zeitraum hauptsächlich zwischen 1910 und 1930 präsentieren könne.

Die Geschichte des Hofes ist eindrucksvoll und man lauscht gebannt, wenn Museumsbetreuer Wunibald Iser und Museumswartin Zenta Schermer erzählen. Dem Engagement der Hofstettenerin ist es übrigens zu verdanken, dass das Museum stets tadellos „in Schuss“ gehalten wird – vom Putzen über Rasenmähen bis hin zur Zaunreparatur ist Familie Schermer eingebunden („ich habe Gott sei Dank fünf fleißige Kinder“). Erstmals urkundlich erwähnt wird der Hof 1551. Das zweigeschossige Wohn-Stall-Haus ist ein breit hingelagerter Baukörper aus Bruchsteinmauern mit Kalkplattendach, das bei der Renovierung durch den Landkreis Eichstätt 1984 instandgesetzt wurde. Die originalen Fenster mit den rotbraunen Fensterläden und dem barocken Fassadenanstrich geben dem Bauernhaus einen einladend-freundlichen Charakter. „Bemerkenswert im Erdgeschoss ist der gusseiserne Ofen in der Stube mit der Jahreszahl 1759, wahrscheinlich in Obereichstätt gegossen. Auch die Rauchküche mit dem offenen Schlot und Kochmöglichkeit im offenen Schürloch des Hinterladers ist wirklich sehenswert“, erzählt Wunibald Iser, während er zugleich die vielen  Kochgerätschaften, Töpfe und Pfannen zeigt. Die Besucher können so ziemlich jeden Winkel des Hofes anschauen, von der einstigen Schlafkammer der Bauerseheleute links vom Tenner bis hin zum Rossstall, in dem einmal vier Pferde standen. Im Obergeschoss befinden sich hübsch ausgestattete Kammern mit einem prächtig bemalten Originalschrank samt Originaltracht der letzten Bewohner, ein Himmelbett aus der Zeit um 1850 (samt Nachttopf!), Andachtsgegenstände und Truhen sowie Wiege und bestickte Bettwäsche. Nicht fehlen dürfen Knecht- und Schlotkammer, Heuboden und Dachboden, aber die Kuchl im Erdgeschoss ist ohne Zweifel der urigste und gemütlichste Raum des ganzen Hauses. „Über dem Eckbankerl hängen sogar noch der Hut, der Gehstock und der Rucksack der letzten männlichen Bewohners“, schmunzelt Zenta Schermer, der die letzten Eigentümer des Hofes noch gut bekannt waren: Auf dem Kipferlerhof wurde 1891 zum letzten Mal eine Hochzeit gehalten. Der Hoferbe Josef Albrecht verheiratete sich mit Walburga Hessenhofer. Der Ehe entstammten sechs Kinder, von denen keines geheiratet hat. „Die Eltern starben 1928 bzw. 1938, der Erbe Johann Albrecht kehrte aus dem Krieg nicht mehr zurück. Seine Geschwister Josef († 1978), Katharina († 1983) und Anna († 1983) beerbten ihn und vermachten das Anwesen 1961 einer Ordensgemeinschaft, besaßen aber lebenslanges Wohnrecht. Den Kipflerer Sepp kannte jedes Kind im Umkreis“, erzählt Frau Schermer, die 38 Jahre lang in Hofstetten ein Lebensmittelgeschäft betrieb.

Die drei Unverheirateten hat sie als „recht wundersam“ in Erinnerung: „Die zwei Frauen gingen so gut wie nie aus dem Haus, lediglich zum Messbesuch. Die Botengänge hatte der Bruder zu erledigen. Nach seinem Tod haben sie zum Einkaufen einen Rucksack und einen Einkaufszettel durchs Fenster gereicht, meine Tochter Doris erledigte als Kind viele der Besorgungen und bekam dafür jeden Samstag 50 Pfennige. Das Haus betreten durfte außer einem Geistlichen allerdings nie jemand. Religiös waren sie, auch freigebig zu Flüchtlingsmüttern, die keine Milch für ihre Kinder hatten. Da haben sie immer geholfen“, weiß Zenta Schermer. Noch im April 1983, vier Wochen vor ihrem Tod, schenkten die zwei Albrecht-Schwestern der fleißigen Einkäuferin zur Kommunion drei Mark. „Leider sind die Schwestern innerhalb von drei Wochen gestorben, fünf Jahre nach ihrem Bruder. Damit ist das alte Geschlecht ausgestorben und der alte Hof war verlassen“, so Schermer und Iser.

Neues Leben kehrte dann erst mit der Einrichtung des Museums ein. Heute können alle Besucher durch das ehemals „verschlossene“ Haus schlendern, neben dem Haus auch den Stadl mit den (allesamt funktionsfähigen!) Gerätschaften und Maschinen besichtigen, im prächtigen Bauerngarten sich über Kräuter, Blumen und Gemüse informieren, Museumsschaferl streicheln oder Flachs brechen. Intakt und rege genutzt wird auch der Brotbackofen zwischen Haus und Stadel, das köstliche „Museumsbrot“ ist schwer umkämpft. Und gerade zum Start der Saison am Ostersonntag geht auch der hölzerne Pumpbrunnen durch die Kinder in Betrieb – „es ist wirklich eine Freude, zu sehen, wie der Hof an Ostern wieder zum Leben erwacht“, schmunzelt Wunibald Iser. Gemeinsam mit seiner Frau Rosemarie zeigt er den Kindern dann alte Ostereierspiele und erzählt vom Osterbrauchtum, „damit das nicht alles in Vergessenheit gerät, was unsere Heimat mit ausmacht“.

Geöffnet ist das Jura-Bauernhofmuseum Hofstetten, Schlossstraße 19, 85122 Hofstetten, übrigens traditionell von Ostersonntag bis zum Kirchweihsonntag im Oktober. Die Öffnungszeiten sind jeweils von Dienstag bis Freitag zwischen 14 und 16 Uhr, an Samstag, Sonntag sowie Feiertagen von 14 bis 17 Uhr. Gruppen können auch außerhalb dieser Zeit beim Informationszentrum Naturpark Altmühltal, Notre Dame 1, 85072 Eichstätt (Tel. 08421/9876-0) oder bei Museumswartin Zenta Schermer (Tel. 08406/276) angemeldet werden. Weitere Informationen gibt es auch unter www.jura-bauernhof-museum.de       

Alle Fotos: Preis

Rustikale Kuchl

Kreisheimatpfleger Wunibald Iser und Museumswartin Zenta Schermer in der rustikalen Kuchl des Museums.


"Schöne Stube"

Blick in die "schöne Stube" mit den um 1900 modernen braun maserierten Möbeln. Diese wurde meist als Gästezimmer benutzt oder bei Festlichkeiten aufgesucht.