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Von frechen Museumsgockeln und einem Höllenkamin

06.04.2017 Ostersonntag eröffnet die neue Saison – Zenta Schermer 10 Jahre Museumswartin

Von Petra Preis

Wenn sich am Ostersonntag um 14 Uhr im Jura-Bauernhofmuseum Hofstetten die Pforten zur neuen Museumssaison 2017 öffnen, dann ist zeitgleich auch ein Jubiläum zu begehen: Zenta Schermer, eine waschechte Hofstettenerin, ist sein zehn Jahren als Museumswartin die „gute Seele“ der landkreiseigenen Einrichtung. „Frau Schermer ist für uns wirklich ein Glücksfall“, sagt Georg Stark vom Landratsamt Eichstätt, der für den Museumsverein die Kasse führt und auch viele Veranstaltungen federführend mit organisiert. Am 1. April 2007 hatte Zenta Schermer zusammen mit ihrem Ehemann Alois die Nachfolge von Johann und Ernestine Ganser als Museumsbetreuer angetreten, nachdem sie von Hofstettener Bürgern empfohlen worden war. Dem Engagement der Hofstettenerin ist es zu verdanken, dass das Museum stets tadellos „in Schuss“ gehalten wird – vom Putzen über Rasenmähen bis hin zur Zaunreparatur ist Familie Schermer das ganze Jahr über eingebunden. „Aber es macht ganz viel Freude! Ich könnte mir tatsächlich keine schönere Tätigkeit vorstellen“, sagt Zenta Schermer, die kürzlich erst ihren 70. Geburtstag feiern konnte.

„Wahrscheinlich war ich bekannt wie ein bunter Hund“, schmunzelt die agile Museumsbetreuerin im Rückblick, „denn ich habe 38 Jahre lang ein Lebensmittelgeschäft in Hofstetten geführt und kannte jeden im Dorf.“ An Ostern 2007 feierten die neuen Museumswarte quasi „Premiere“ und ließen sich vorab von Johann Ganser und dem damaligen Kreisheimatpfleger Wunibald Iser in die notwendigen Arbeiten einweisen. „Ab dem 1. Tag hat alles super geklappt. Das Aufgabengebiet erstreckt sich ja vom Aufsperren der Museumsräume bis hin zum Bewirtschaften des Museumsgartens bis hin zum Absperren des Stroms. Wir haben uns relativ spontan darauf eingelassen und haben es nie bereut“, blickt Zenta Schermer zurück. Ihrem Ehemann war leider nur eine einzige Museumssaison vergönnt – er verstarb plötzlich am 14. Dezember 2007, und Zenta Schermer stand vor der Überlegung, ob sie die Tätigkeit alleine weiterführen kann: „Die Mitglieder des Museumsvereins haben mich darin bestärkt, nach dem guten Start weiterzumachen. Und auch meine vier Buben und die Tochter haben mir sofort ihre Unterstützung zugesagt, wofür ich sehr dankbar bin“, sagt Zenta Schermer. Sie teilt sich ihre Zeit gut ein, ist absolut flexibel und vielseitig und kann sogar mal ein paar Tage Urlaub machen, wo ihre Kinder bzw. Museumsvereinsmitglied Ulrich Bohr dann vor Ort die Stellung halten. „Das ist besonders wichtig, wenn Besuchergruppen oder Schulklassen kommen. Bei den großen Museumsveranstaltungen bin ich sowieso immer da, nachdem hier ja oftmals eine längere Vorbereitungszeit notwendig ist. Aber dank meiner Helfer können wir auch relativ spontan Schulklassen durch das Museum führen oder Besuchergruppen annehmen, die das gute Wetter für einen Ausflug nach Hofstetten nutzen und dabei einen Blick in die Lebens- und Arbeitswelt früherer Zeiten werfen möchten.“

Das Jura-Bauernhofmuseum in Hofstetten ist in ganz Bayern ein Begriff und in der Bevölkerung auch als „Kipferlerhof“ bekannt. Früher einmal gerne als „Schandfleck des Dorfes“ bezeichnet, hat sich der letzte in sich geschlossene Jura-Bauernhof im Landkreis Eichstätt seit der Übernahme durch den Landkreis Eichstätt im Jahre 1986 zu einem regelrechten Schmuckstück der Region entwickelt. Ob Schulklassen, junge Familien oder Ausflügler aus Nah und Fern – die Anziehungskraft des stattlichen Hofes, der die landwirtschaftliche Neubau- und Modernisierungswelle der Nachkriegsjahrzehnte unbeschadet überstanden hatte, ist erfreulich groß. Zu Recht stolz darauf, dass der Hof heute so gut da steht, ist auch Kreisheimatpfleger Dominik Harrer, der zusammen mit dem Museumsverein auch für die bald beginnende Museumssaison ein interessantes Programm ausgearbeitet hat, das auf der Homepage des Museums unter www.jura-bauernhof-museum.de abrufbar ist. Sein Vorgänger Wunibald Iser war es, der erkannt hatte, welch kulturgeschichtlichen Wert der Kipferlerhof hat. „Die schlichte Schönheit und Zweckmäßigkeit des Altmühl-Jurahauses lässt sich hier in Hofstetten den Besuchern wunderbar vor Augen führen. Es war ein glücklicher Umstand, dass das Anwesen 1984 vom Landkreis Eichstätt erworben und dem Verein Jura-Bauernhof-Museum übertragen werden konnte“, meint Wunibald Iser im Rückblick. Für das Vorhaben engagierten sich prominente Volkskundler und Heimatvereine, auch der bekannte Bezirksheimatpfleger von Oberbayern Paul Ernst Rattelmüller, besuchte den Hof und war begeistert, dass man mitten in einem lebendigen Dorf ländlich-bäuerliche Alltagskultur auf der Eichstätter Alb im Zeitraum hauptsächlich zwischen 1910 und 1930 präsentieren könne.

 

Ein Hof mit langer Geschichte

Die Geschichte des Hofes ist eindrucksvoll und man lauscht gebannt, wenn Zenta Schermer erzählt. Erstmals urkundlich erwähnt wird der Hof 1551. Das zweigeschossige Wohn-Stall-Haus ist ein breit hingelagerter Baukörper aus Bruchsteinmauern mit Kalkplattendach, das bei der Renovierung durch den Landkreis Eichstätt 1984 instandgesetzt wurde. Die originalen Fenster mit den rotbraunen Fensterläden und dem barocken Fassadenanstrich geben dem Bauernhaus einen einladend-freundlichen Charakter. „Bemerkenswert im Erdgeschoss ist der gusseiserne Ofen in der Stube mit der Jahreszahl 1759, wahrscheinlich in Obereichstätt gegossen. Auch die Rauchküche mit dem offenen Schlot und Kochmöglichkeit im offenen Schürloch des Hinterladers ist wirklich sehenswert“, erzählt Zenta Schermer, während sie zugleich die vielen Kochgerätschaften, Töpfe und Pfannen präsentiert. Die Besucher können so ziemlich jeden Winkel des Hofes anschauen, von der einstigen Schlafkammer der Bauerseheleute links vom Tenner bis hin zum Rossstall, in dem einmal vier Pferde standen – und Frau Schermer erzählt während dem Rundgang auf dem Hof quasi nebenbei viele interessante kleine Geschichten und Begebenheiten rund um den Kipferlerhof. Im Obergeschoss befinden sich hübsch ausgestattete Kammern mit einem prächtig bemalten Originalschrank samt Originaltracht der letzten Bewohner, ein Himmelbett aus der Zeit um 1850 (samt Nachttopf!), Andachtsgegenstände und Truhen sowie Wiege und bestickte Bettwäsche.

Nicht fehlen dürfen Knecht- und Schlotkammer, Heuboden und Dachboden, aber die Wohnstube im Erdgeschoss ist ohne Zweifel der urigste und gemütlichste Raum des ganzen Hauses. „Über dem Eckbankerl hängen sogar noch der Hut, der Gehstock und der Rucksack der letzten männlichen Bewohners“, zeigt Zenta Schermer, der die letzten Eigentümer des Hofes noch gut bekannt waren: Auf dem Kipferlerhof wurde 1891 zum letzten Mal eine Hochzeit gehalten. Der Hoferbe Josef Albrecht verheiratete sich mit Walburga Hessenhofer. Der Ehe entstammten sechs Kinder, von denen keines geheiratet hat. „Die Eltern starben 1928 bzw. 1938, der Erbe Johann Albrecht kehrte aus dem Krieg nicht mehr zurück. Seine Geschwister Martin († 1955), Andreas († 1968), Josef († 1978), Katharina († 1983) und Anna († 1983) beerbten ihn und vermachten das Anwesen 1961 einer Ordensgemeinschaft, besaßen aber lebenslanges Wohnrecht. Den Kipflerer Sepp kannte jedes Kind im Umkreis“, erzählt Frau Schermer, sie selbst war als Kind oftmals selbst am Hofgelände und hat die drei unverheirateten Geschwister als „recht wundersam“ in Erinnerung: „Die zwei Frauen gingen so gut wie nie aus dem Haus, lediglich zum Messbesuch. Die Botengänge hatte der Bruder zu erledigen. Nach seinem Tod haben sie zum Einkaufen einen Rucksack und einen Einkaufszettel durchs Fenster gereicht, meine Tochter Doris erledigte als Kind viele der Besorgungen und bekam dafür jeden Samstag 50 Pfennige. Das Haus betreten durfte außer einem Geistlichen allerdings fast niemand. Religiös waren sie, auch freigebig zu Flüchtlingsmüttern, die keine Milch für ihre Kinder hatten. Da haben sie immer geholfen“, so Schermer. Noch im April 1983, vier Wochen vor ihrem Tod, schenkten die zwei Albrecht-Schwestern der fleißigen Einkäuferin zur Kommunion drei Mark. „Leider sind die Schwestern innerhalb von drei Wochen gestorben, fünf Jahre nach ihrem Bruder. Damit ist das alte Geschlecht ausgestorben und der alte Hof war verlassen.“ Geschichten rund um die ehemaligen Besitzer saugen Besucher oftmals auf wie ein Schwamm: „Da spitzen alle die Ohren, nicht nur die Schulkinder, auch die Erwachsenen. Das Leben damals war keineswegs romantisch, sondern hart und fordernd. Die Leute mussten hart arbeiten, um zu überleben“, weiß Zenta Schermer. Der große schwarze Kamin in der Museumskuchl scheint gerade Besucherinnen zu faszinieren. „Der schaut ja aus wie in der Hölle“, rief einmal eine Dame entsetzt aus. Zenta Schermer wunderte sich zwar, woher die Dame das wissen könne und hat einfach in sich hinein geschmunzelt… „Ja, ja. Manchmal erlebt man schon lustige Dinge. Ich erinnere mich noch gut an einen besonders frechen Museumsgockel, den wir mal im Auslauf im Garten hatten. Der hat beim Moritatensingen mit Bezirksheimatpfleger Ernst Schusser ordentlich mitgekräht und alle Leute unterhalten. So ein Bazi“, schüttelt Zenta Schermer belustigt den Kopf. Und einmal hätten Besucherinnen so intensiv den Dachboden angeschaut, dass sie gar nicht mitbekommen haben, als das Museum zwei Stockwerke tiefer zugeschlossen wurde: „Die Nachbarin hat dann den Hilferuf aus dem Fenster heraus gehört und mich sofort geholt. Ab diesem Zeitpunkt rufe ich immer kräftig durchs Haus, bevor ich jetzt zusperre“, betont Frau Schermer.

Neues Leben kehrte in den verwaisten Hof erst mit der Einrichtung des Museums in den 1980er Jahren ein. Heute können alle Besucher durch das ehemals „verschlossene“ Haus schlendern, neben dem Haus auch den Stadl mit den (allesamt funktionsfähigen!) Gerätschaften und Maschinen besichtigen, im prächtigen Bauerngarten sich über Kräuter, Blumen und Gemüse informieren, Museumsschaferl streicheln oder Flachs brechen. Intakt und rege genutzt wird auch der Brotbackofen zwischen Haus und Stadel, das köstliche „Museumsbrot“ ist schwer umkämpft. Und gerade zum Start der Saison am Ostersonntag geht auch der hölzerne Pumpbrunnen durch die Kinder in Betrieb – „es ist wirklich eine Freude, zu sehen, wie der Hof an Ostern wieder zum Leben erwacht“, freut sich die Museumswartin, die es genießt, wenn sich Besucher aller Altersgruppen am Museumsgelände tummeln. Ihr ist es ebenso wie dem Museumsverein ein Anliegen, dass „das nicht alles in Vergessenheit gerät, was unsere Heimat mit ausmacht“. Ihre Enkeltöchter Luisa (4) und Antonia (9) helfen bereits tatkräftig bei kleineren Arbeiten im Kassenhäusl mit, nachdem es Zenta Schermer gelungen ist, die Freude an der Museumsarbeit bereits in die Enkelgeneration zu tragen.

Geöffnet ist das Jura-Bauernhofmuseum Hofstetten, Schlossstraße 19, 85122 Hofstetten, übrigens traditionell von Ostersonntag bis zum Kirchweihsonntag im Oktober. Die Öffnungszeiten sind jeweils von Dienstag bis Freitag zwischen 14 und 16 Uhr, an Samstag, Sonntag sowie Feiertagen von 14 bis 17 Uhr. Gruppen können auch außerhalb dieser Zeit beim Informationszentrum Naturpark Altmühltal, Notre Dame 1, 85072 Eichstätt (Tel. 08421/9876-0) oder bei Museumswartin Zenta Schermer (Tel. 08406/276) angemeldet werden. Weitere Informationen gibt es auch unter www.jura-bauernhof-museum.de            

 

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Zenta Schermer ist „die gute Seele“ des Jura-Bauernhofmuseums. Ihre Enkel Luisa (4) und Antonia (9) zeigen großes Interesse für die Tätigkeiten ihrer Oma und helfen bereits am Kassenhäusl mit.                                                                                     Foto: Preis              

Kategorien: Presse